Die KI ist neu im Team
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Die KI ist neu im Team

Warum eine KI nur so gut arbeitet wie die Übergabe, die sie bekommt, und was in eine gute Übergabe gehört, auch ohne technisches Wissen.

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Sven Seiler
3. November 2026

Eine neue Kollegin ist am ersten Tag klug, schnell und motiviert. Was ihr fehlt, sind die Kundschaft, die Gepflogenheiten im Haus und der Grund, warum ein Bericht dort immer mit den offenen Punkten beginnt. Wer ihr nur «Schreib bitte das Protokoll» sagt, bekommt ein Protokoll, aber selten das, an das man gedacht hat. Anthropic, der Hersteller von Claude, verwendet in seiner Anleitung zum Formulieren von Anweisungen genau dieses Bild: Claude sei wie eine brillante, aber neue Mitarbeiterin, der der Zusammenhang zu den eigenen Normen und Abläufen fehlt. Das Bild braucht kein technisches Wissen und lässt sich auf jede Aufgabe im Büro übertragen.

Ohne Hintergrund füllt die KI die Lücken selbst

Rückfragen stellt eine KI selten. Fehlt ihr eine Angabe, nimmt sie das Naheliegende an und schreibt weiter, und die Annahme steht danach im Ergebnis, ohne dass jemand sie bestellt hat. Anthropic rät deshalb, ausdrücklich zu verlangen, was man will, statt darauf zu hoffen, dass das Modell es aus einer vagen Anweisung erschliesst.
Einen einfachen Test schlägt die Anleitung gleich mit vor: die Anweisung einer Kollegin zeigen, die von der Aufgabe wenig weiss. Wäre sie verwirrt, ist es die KI auch.
Hilfreich ist ausserdem der Grund hinter einer Anweisung. Statt «Verwende nie Auslassungspunkte» schreibt man besser, dass der Text von einer Sprachausgabe vorgelesen wird und diese Auslassungspunkte nicht aussprechen kann. Mit dem Grund kann die KI auch Fälle richtig lösen, an die man beim Schreiben nicht gedacht hat; Anthropic zeigt das in seiner Anleitung an genau diesem Beispiel.

Ziel, Material und Massstab gehören in jede Übergabe

Ziel: Wofür wird das Ergebnis gebraucht, und wer liest es? Eine Zusammenfassung für die Geschäftsleitung sieht anders aus als eine für das Team, das am Montag damit weiterarbeitet. Ein Satz dazu genügt oft schon.
Material: Die KI kennt weder das letzte Protokoll noch den Vertrag noch die Mail der Kundin. Wer das Dokument mitgibt, bekommt eine Antwort, die sich darauf stützt, wie schon der Beitrag «Klingt richtig. Stimmt es auch?» gezeigt hat. Bei mehreren Dokumenten lohnt sich ein Satz dazu, welches wofür da ist, etwa ‹Das alte Protokoll zeigt die Form, die Notizen liefern den Inhalt›. Personendaten bleiben dabei draussen, soweit die Aufgabe sie nicht braucht; mehr dazu im Beitrag über private und geschäftliche Konten.
Massstab: Woran erkennt man, dass das Ergebnis gut ist? Eine Seite lang, in Du-Form, mit den offenen Punkten zuerst. Noch genauer als jede Beschreibung ist ein Beispiel. Anthropic nennt Beispiele eines der verlässlichsten Mittel, um Form, Ton und Aufbau einer Antwort zu steuern, und ein gelungenes Protokoll vom letzten Monat sagt der KI mehr als drei Sätze darüber, wie eines aussehen soll.

Sven:«Aufgaben für die KI schreibe ich so auf, wie ich sie einer neuen Kollegin übergeben würde: wofür das Ergebnis ist, welche Unterlagen dazugehören und woran ich merke, dass es fertig ist. Fehlt einer dieser Punkte, füllt die KI die Lücke mit einer Annahme.»

Sagen, was sein soll

Verbote wirken schwächer als Wünsche. Anthropic empfiehlt, statt «Keine Aufzählungen» zu beschreiben, wie der Text aussehen soll, zum Beispiel als zusammenhängende Absätze. Die KI muss dann nicht erraten, was an die Stelle des Verbotenen treten soll.
Auch die Form der eigenen Anweisung färbt laut derselben Anleitung ab. Wer der KI eine Liste mit Stichworten schickt, bekommt eher Stichworte zurück, und wer in ganzen Sätzen schreibt, eher Fliesstext.
Lange Unterlagen gehören an den Anfang, die eigentliche Frage ans Ende. In Tests von Anthropic hat diese Reihenfolge die Qualität der Antworten um bis zu 30 Prozent verbessert, vor allem bei mehreren umfangreichen Dokumenten. Bei langen Texten hilft ausserdem die Bitte, zuerst die passenden Stellen wörtlich zu zitieren und erst dann zu antworten.
Passt das Ergebnis trotzdem nicht, lohnt es sich, die Anweisung zu verbessern statt nur die Antwort. Wer der KI sagt, was am Entwurf fehlt, und den Grund dazu, bekommt einen besseren zweiten Entwurf. Die verbesserte Anweisung taugt beim nächsten Mal als Vorlage.

Gute Übergaben lassen sich wiederverwenden

Bewährte Übergaben lohnt es sich aufzubewahren. Mit Platzhaltern für das, was sich jedes Mal ändert, wird daraus eine Vorlage, die auch Kolleginnen und Kollegen nutzen können, ohne sie selbst erfinden zu müssen. In der Umfrage, die Batix im Juli 2026 im eigenen Team gemacht hat, standen genau solche Vorlagen weit oben auf der Wunschliste.
Vorlagen ersetzen das Mitdenken nicht. Jede Aufgabe hat ihre Eigenheiten, und die gehören jedes Mal in die Übergabe, wie bei einer Kollegin, die die Abläufe inzwischen kennt, den neuen Kunden aber noch nicht.

Fazit

Wer eine Aufgabe für die KI sauber beschreibt, hat sie oft zum ersten Mal überhaupt aufgeschrieben. Diese Beschreibung nützt danach auch jedem Menschen, der die Aufgabe einmal übernimmt.

Was eine neue Kollegin am ersten Tag braucht, braucht auch die KI.
Was eine neue Kollegin am ersten Tag braucht, braucht auch die KI.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Prompt? +

Gemeint ist die Anweisung, mit der man einer KI eine Aufgabe gibt. Gute Prompts enthalten neben der Bitte auch Ziel, Material und die gewünschte Form des Ergebnisses.

Muss man für gute Prompts programmieren können? +

Nein. Ein guter Prompt ist eine gute Übergabe in Alltagssprache, so wie man sie auch einer neuen Kollegin schreiben würde.

Wie lang sollte ein Prompt sein? +

So lang, wie die Aufgabe es verlangt. Für eine kurze Frage reicht ein Satz, für einen Bericht können es mehrere Absätze mit Material und einem Beispiel sein. Lange Unterlagen kommen an den Anfang, die Frage ans Ende.

Warum hilft ein Beispiel so viel? +

Weil ein Beispiel Form, Ton und Aufbau zeigt, statt sie zu beschreiben. Anthropic zählt Beispiele zu den verlässlichsten Mitteln, um eine Antwort zu steuern.

Was tun, wenn die Antwort nicht passt? +

Die Anweisung verbessern, statt nur nachzufragen: sagen, was fehlt, und warum. Die verbesserte Fassung taugt als Vorlage für das nächste Mal.

Kontakt

Wer KI in eigene Anwendungen einbauen und dabei festlegen will, welche Anweisungen und welches Material sie bekommt, findet in der individuellen Softwareentwicklung der Batix den passenden Ansprechpartner.

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