Privates Konto, geschäftliche Daten
Was ein privates KI-Konto mit Ihren Eingaben macht, was ein Geschäftskonto anders regelt und welche Daten auch dort nur mit Vorsicht hineingehören
Mitte Oktober 2026 haben das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) und der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) gemeinsam Empfehlungen für KI im Berufsalltag veröffentlicht. Sie warnen vor «Oversharing», also davor, aus Effizienzgründen unbedacht Personendaten, Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse in ein KI-Werkzeug einzugeben. Und sie raten, für die Arbeit wenn möglich die Business- oder Enterprise-Version des eigenen Unternehmens zu nutzen statt eines privaten Kontos. Der Rat klingt technisch und betrifft doch jede Person, die im Büro mit einer KI schreibt. Beim selben Werkzeug hängt nämlich vom Konto ab, was mit einer Eingabe geschieht.
Ein privates Konto folgt den Regeln für Privatpersonen
Anthropic beschreibt die Unterschiede für sein Werkzeug Claude offen, darum taugt es gut als Beispiel.
Seit 2025 entscheiden Nutzerinnen und Nutzer der privaten Abos Free, Pro und Max selbst, ob ihre Chats für das Training neuer Modelle verwendet werden. Stimmen sie zu, bewahrt Anthropic die Gespräche fünf Jahre lang auf, sonst 30 Tage. Für Geschäftskonten gilt diese Wahl nicht, dort schliessen die kommerziellen Bedingungen das Training mit Kundeninhalten aus.
Training heisst, dass die nächste Modellgeneration aus vielen solchen Gesprächen lernt. Was einmal in ein Modell eingeflossen ist, lässt sich nicht gezielt wieder herausholen: Ändert jemand die Einstellung später, bleiben die Daten laut Anthropic in den Modellen, die bereits damit trainiert wurden.
Heikel ist selten die Einstellung selbst. Heikel ist, dass sie bei jedem privaten Konto anders stehen kann und die Firma nichts davon weiss. Wer mit dem eigenen Abo an einer Offerte arbeitet, entscheidet über Firmendaten allein, oft ohne es zu merken.
Auf dem Geschäftskonto sieht die Firma mit
Geschäftskonten schützen die Eingaben vor dem Training, und sie machen aus ihnen Firmendaten. Bei Claude kann die Person, die das Firmenkonto verwaltet, die Daten der ganzen Organisation exportieren, die Gespräche eingeschlossen. Löscht jemand ein Gespräch, entfernt Anthropic es bei Geschäftskonten nach eigenen Angaben grundsätzlich innert 30 Tagen aus seinen Systemen; länger aufbewahrt werden etwa Rückmeldungen und Gespräche, die gegen die Nutzungsrichtlinien verstossen.
Daraus folgt eine Regel: Ein Geschäftskonto ist nicht für Privates da. Wer darin die eigene Steuererklärung oder eine Frage zur Gesundheit bespricht, legt sie der Firma offen. Das sollte im Team jede Person wissen, bevor sie das erste Gespräch auf dem Geschäftskonto führt.
Eine Stelle verdient auch auf dem Geschäftskonto Aufmerksamkeit: die Daumen-Schaltflächen unter einer Antwort. Wer damit eine Rückmeldung gibt, schickt Anthropic das ganze Gespräch, das dann bis zu fünf Jahre aufbewahrt und für das Training verwendet werden kann. Abschalten lassen sich die Schaltflächen in den Einstellungen des Firmenkontos.
Personendaten braucht die KI fast nie
Auch ein gutes Konto ersetzt kein Nachdenken vor dem Einfügen. Das Datenschutzgesetz gilt laut EDÖB direkt für Bearbeitungen mit KI, und es verlangt, dass Personendaten verhältnismässig und für einen erkennbaren Zweck bearbeitet werden.
Meist spielt der echte Name keine Rolle. Ein Antwortschreiben an eine verärgerte Kundin wird nicht besser, wenn ihre Adresse und ihre Kundennummer im Chat stehen.
Sven:«Für fast jede Aufgabe reicht ‹Kundin A› statt Name, Adresse und Geburtsdatum. Die KI schreibt damit denselben Entwurf, und die echten Angaben setze ich erst am Schluss im eigenen System ein.»
Besondere Vorsicht verlangen die besonders schützenswerten Personendaten, etwa Angaben zur Gesundheit, zur Religion oder zur politischen Haltung, genetische Daten oder Daten über Strafverfahren und Sozialhilfe. Bei ihnen ist die Antwort auf die Frage, ob die KI sie für ihre Aufgabe braucht, fast immer nein.
Praktisch heisst das: Namen durch Rollen ersetzen, Adressen und Nummern löschen und bei Bildschirmfotos genau hinschauen, was sonst noch zu sehen ist. Ein Bildschirmfoto aus dem CRM kann mehr Kundendaten zeigen als die eine Zeile, um die es geht. BACS und EDÖB empfehlen dasselbe: sensible Angaben vor der Eingabe anonymisieren.
Vertrauliches von Kunden: zuerst den Vertrag lesen
Geschäftsgeheimnisse von Kunden sind eine eigene Frage, unabhängig vom Datenschutz. Viele Verträge und Vertraulichkeitsvereinbarungen regeln, an wen Unterlagen weitergegeben werden dürfen, und manche schliessen jeden Dritten aus. Auch ein KI-Anbieter kann ein solcher Dritter sein.
Vor dem ersten Hochladen steht deshalb ein Blick in den Vertrag. Erlaubt er die Weitergabe nicht, bleibt das Dokument draussen, auch wenn die Bedingungen des Kontos gut sind.
Wer unsicher ist, fragt besser vorher beim Kunden nach. Eine kurze schriftliche Zustimmung kostet weniger als die Erklärung im Nachhinein, warum Unterlagen bei einem Dritten gelandet sind.
Fazit
Die drei Stufen passen auf eine Seite. Schwieriger als die Regel ist die Gewohnheit, sei es das private Abo, das ohnehin offen ist, oder die ganze E-Mail samt Signatur, die schnell kopiert ist. Darum wirkt eine solche Regel erst, wenn das Geschäftskonto für alle eingerichtet und im Alltag mindestens so bequem ist wie das private.
Häufig gestellte Fragen
Trainiert eine KI mit meinen Eingaben? +
Kommt auf das Konto an. Bei Claude entscheiden Privatpersonen selbst darüber; auf Geschäftskonten schliessen die Bedingungen das Training mit Kundeninhalten aus, ausser bei Rückmeldungen über die Daumen-Schaltflächen.
Kann mein Arbeitgeber meine KI-Chats sehen? +
Auf einem Geschäftskonto von Claude ja. Die Person, die das Firmenkonto verwaltet, kann die Gespräche aller Mitglieder exportieren.
Darf ich Personendaten in eine KI eingeben? +
Grundsätzlich verbietet das Datenschutzgesetz es nicht, es verlangt aber eine verhältnismässige Bearbeitung für einen erkennbaren Zweck. Meistens reicht ein Platzhalter wie ‹Kundin A›, und die KI braucht die echten Angaben gar nicht.
Darf ich Personendaten in eine KI eingeben? Was ist mit «Oversharing» gemeint? +
So nennen BACS und EDÖB die unbedachte Weitergabe von Informationen an ein KI-Werkzeug, ohne sich der Folgen für den Datenschutz bewusst zu sein. Betroffen sind oft fremde Daten, etwa von Kundinnen, Patienten oder Mitarbeitenden.
Ist ein privates Konto mit abgeschaltetem Training so gut wie ein Geschäftskonto? +
Nicht ganz. Es fehlen die Vereinbarung zur Auftragsbearbeitung und der Überblick der Firma, welche Daten in welches Werkzeug gehen. Ausserdem lässt sich die Einstellung jederzeit wieder ändern, ohne dass die Firma davon erfährt.
Wer KI im eigenen Unternehmen einführen und dabei das Datenschutzgesetz einhalten will, findet in der IT-Beratung der Batix den passenden Ansprechpartner.
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